Reisen und Impfen

Ein Spezialfall sind Reiseimpfungen. Entscheidend sind hier die geplante Destination und die Art und Weise, wie gereist wird. Es macht einen Unterschied, ob man bei einer Fernreise beispielsweise Nordamerika (Kanada, USA) anvisiert oder Mittel- oder Südamerika, Nordeuropa, Südeuropa, den Mittelmeerraum, Afrika (Nord-, Ost-, Süd-, Westafrika?) oder den Fernen Osten mit so beliebten Zielen wie z. B. Indien, Thailand, Myanmar, Vietnam, Indonesien oder China. 

Wer im All-inclusive Club unter ziemlich kontrollierten Bedingungen bleibt, wird sich wohl anders vorbereiten als ein Rucksacktourist, der wandert, campiert, mit der jeweils lokalen Bevölkerung lebt oder schlechteren hygienischen Umständen ausgesetzt ist. Beruflich Reisende (auch der Beruf kann einen Unterschied ausmachen) haben möglicherweise wiederum andere Schutzbedürfnisse. Auch die Dauer des Aufenthalts in dem jeweiligen Land oder der jeweiligen Region verlangt nach einem jeweils maßgeschneiderten Vorsorgekonzept, was Impfungen angeht. 

Deshalb ist in allen diesen Angelegenheiten eines entscheidend: Die Beratung durch den entsprechend informierten Arzt. Zur Reisemedizin gehören bei weitem nicht nur die Impfungen. Auch andere Vorkehrungsmaßnahmen wie Mückenschutz (Repellentien, entsprechende Kleidung, Moskitonetze), Malariaprophylaxe, Maßnahmen zur Reisedurchfallprophylaxe (Nahrungsmittel-Trinkwasserhygiene) und – besonders wichtig – die Reiseapotheke selbst sowie die Vorsorge bezüglich der sonst auch verwendeten Medikamente (zur Sicherheit aufgeteilt auf Handgepäck und aufgegebenes Gepäckstück) müssen beachtet werden.  

Grundsätze für die Impfvorsorge bei Reisen


  • Schon bei der Planung einer (Fern-)Reise an die eventuelle Notwendigkeit von Reiseimpfungen denken.

  • Rechtzeitiges Aufsuchen eines in Reisemedizin erfahrenen Arztes des Vertrauens mit einem Informationsgespräch über den eigenen Gesundheitszustand, eventuell notwendige Reiseimpfungen und Abklären des aktuellen Impfstatus mit dem Impfausweis oder dem Impfpass.

  • Individuelle Risikoabschätzung durch Bewertung der persönlichen Reiseumstände.

  • Abklärung der Reisetauglichkeit und medizinischen Einschränkungen (im Falle von kleinen Kindern, älteren Personen oder bei Grundkrankheiten mit notwendigen Medikationen).

  • Erstellen eines individuellen Impfplans für die Reise (Destination, Region, Reiseart etc.).

  • In manchen Ländern sind bestimmte Impfungen für die Einreise vorgeschrieben. Dazu gehört z. B. die Gelbfieberimpfung. Über die jeweils geltenden Regelungen sollte man sich ebenfalls beraten lassen.

Wichtige Reiseimpfungs-Informationen laut Impfplan

Es ist klar, dass an dieser Stelle keine umfassende Darstellung aller Reiseimpfungen, die weltweit in Frage kommen können, gegeben werden kann. Der „Österreichische Impfplan“ liefert Informationen zu einigen Impfstoffen bzw. Impfungen. Zusätzliche Informationen zu den reisemedizinischen Impfungen, können sie in dem Folder “ReiseImpfungen mit spezieller Indikation” nachlesen. Genaue Empfehlungen in welchem Land Sie welche Impfung benötigen, können Sie aus unserer Länderauskunft entnehmen:

Die Schutzimpfung gegen Cholera ist heute im Tourismus kaum mehr notwendig. Anders ist das nach Naturkatastrophen, Besuchen in Flüchtlingslagern und Krisenregionen (Überschwemmungen etc.). Es handelt sich um eine Schluckimpfung, die etwa eine Schutzrate von 70 % aufweist, aber nicht gegen alle Cholera-Erreger (Vibrionen) schützt. Die Impfung ist ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen und schützt für etwa zwei Jahre, wobei der Schutz mit der Zeit langsam abnimmt. Kinder ab dem vollendeten sechsten Lebensjahr und Erwachsene sollten zwei Impfungen im Abstand von mindestens einer Woche und maximal sechs Wochen erhalten. Es gibt auch die Möglichkeit, zwei Jahre nach der Erstimpfung eine weitere „Boosterung“ vorzunehmen, um den Impfschutz zu verlängern. 

Gelbfieber ist eine potenziell schwere und lebensgefährliche durch Viren hervorgerufene Erkrankung im tropischen Afrika und Südamerika. Das Gelbfiebervirus (ein Flavivirus, das auch mit Dengue-Erregern oder FSME-Viren verwandt ist) wird im tropischen Süd- und Mittelamerika sowie in Afrika südlich der Sahara durch Stechmücken übertragen und verursacht ein schweres Krankheitsbild mit Gelbsucht, Blutungen und tödlichem Ausgang bei mehr als 10 % der Erkrankten. Das größte Risiko ist in Afrika gegeben, in Südamerika dürfte es um das Zehnfache geringer sein. Viele Staaten in diesen Regionen verlangen den Nachweis einer Impfung bei der Einreise. Die Impfung muss durch eine autorisierte Stelle oder einen dazu autorisierten Arzt vorgenommen werden und auch im Impfpass vermerkt sein. Es handelt sich bei der Vakzine um einen Lebendimpfstoff. Nicht alle Menschen kommen dafür in Frage. Besondere Vorsicht gilt bei Personen mit Immunsuppressionen. Bei Senioren ist es in seltenen Fällen bei Erstimpfung zu schweren Nebenwirkungen gekommen. Deshalb sollten Nutzen und Risiko durch den Arzt entsprechend sorgfältig abgeschätzt werden. Kinder vor dem vollendeten ersten Lebensjahr dürfen nicht gegen Gelbfieber geimpft werden. Besondere Bedingungen gibt es für Schwangere. Menschen mit Immunsuppression, aber auch Hühnereiweiß-Allergiker sind in der Regel von der Impfung ausgeschlossen. Die einmalige Impfung schützt nach neuesten Erkenntnissen durch die WHO wahrscheinlich lebenslang, wobei es für Reisende diesbezüglich Diskussionen in Fachkreisen gibt. Vor Einreise in ein Endemiegebiet soll daher die Notwendigkeit einer (erneuten) Impfung vom Arzt geprüft werden. 

Gegen diese im Fernen Osten in manchen Regionen vorkommende Virusinfektion (Stechmücken, Erreger wiederum verwandt mit Dengue, FSME etc.) gibt es seit einigen Jahren eine wirksame Impfung. Ob sie notwendig ist, sollte der Arzt gemeinsam mit dem Reisenden anhand der Informationen über die Zielregion, die Jahreszeit, die Reiseroute und die Reiseart besprechen. Im „Impfplan Österreich“ heißt es dazu: „Flaviviruserkrankungen sind in weiten Teilen Asiens heimisch. Sie löst beim Menschen eine der FSME ähnliche, meist jedoch schwerer verlaufende Meningitis/Enzephalitis (Gehirnhautentzündung/Gehirnentzündung; Anm.) mit altersabhängiger Letalität ansteigend bis über 30 % aus. Das Infektionsrisiko ist stark vom Reisestil (landwirtschaftlich genutzte Regionen mit Viehzucht und Reisanbau sind höher gefährdet) und von der Aufenthaltsdauer abhängig“. Das Impfschema besteht aus zwei Teilimpfungen im Abstand von vier Wochen. Die Vakzine ist für Kinder und Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat zugelassen. Der Impfschutz besteht sechs bis zwölf Monate, danach kann eine Auffrischungsimpfung (nach zwölf bis 24 Monaten) erfolgen. Dies dürfte für einen langfristigen Schutz sorgen. Für kurzentschlossene Reisende gibt es auch ein beschleunigtes Impfschema, das mit dem Arzt besprochen werden kann.

Die Tollwut ist in Österreich ausgerottet. Doch weltweit gibt es noch viele Gebiete, in denen sie durch den Biss eines Tieres (vorwiegend Hunde) oder durch Fledermäuse übertragen werden kann. Zwischen 1990 und 2012 wurden international rund 60 Todesfälle durch Tollwutinfektionen im Reiseverkehr registriert. Alle Reisenden sollten sich über das Tollwutrisiko im Zielland informieren. Besonders Tierliebhaber sollten darauf achten. Es gibt zwar die Möglichkeit der Impfung nach einem Tierbiss, doch die Möglichkeit dazu besteht nur eine gewisse Zeit nach der Verletzung. Außerdem gibt es viele entlegene Regionen der Welt, in der die medizinische Infrastruktur so schlecht ist, dass eine Impfung – es sind dann vier Teilimpfungen und v.a. das notwendige Immunglobulin für den Sofortschutz – nach dem Anlassfall nicht möglich ist. Kommt es zu einer Erkrankung bzw. ersten Symptomen, verläuft sie absolut tödlich! Deshalb sollte mit dem Arzt besprochen werden, ob nicht eine Tollwutimpfung vor einer Reise für den Einzelnen ratsam wäre. Die Grundimmunisierung besteht laut Zulassung aus drei, laut WHO aus zwei Impfungen vor Abreise. Man benötigt dafür im Normalfall drei Wochen, es gibt auch ein Schnellschema (innerhalb von acht Tagen). Auch hier steht für kurzentschlossene Reisende im Notfall ein Schnellimpfschema zur Verfügung. Im Falle einer Verletzung durch ein verdächtiges Tier sollte trotz durchgeführter Impfprävention eine weitere „postexpositionelle“ Impfung (inklusive Wundversorgung) erfolgen.

Meningokokken kommen weltweit vor und die 5 Serogruppen A, B, C, W135 und Y, haben die größte Bedeutung für das Auftreten von invasiven Erkrankungen. In den Industrieländern herrschen die Serogruppen B und C vor, während, im sogenannten afrikanischen Meningitisgürtel vor allem die Serogruppen C, W und X auftreten. Die Serogruppe A, die vormals in Afrika vorherrschend war, ist aufgrund von Impfkampagnen deutlich zurückgegangen.

Der afrikanischen Meningitisgürtel zieht sich von Senegal, Gambia und Guinea-Bissau im Westen des Kontinents bis nach Äthiopien. Diese Länder haben ein hohes endemisches Risiko, während Länder nördlich und südlich des Gürtels  nicht ganz so hohes Risiko aufweisen. Weitere Hochrisikogebiete können aber auch der Nahe Osten/arabische Halbinsel, Nordafrika, und Ostafrika sein. Die sogenannte Hadj (Pilgerfahrt von Muslimen nach Mekka, Saudi-Arabien) findet jährlich statt und ist mit ca. zwei Millionen Pilgern die größte Menschenansammlung der Welt. Es kann dabei zu großen Ausbrüchen an Meningokokkeninfektionen kommen, die bis zur Hälfte die lokale Bevölkerung (v.a. Kinder), zur anderen Hälfte Pilger betreffen.

Saudi-Arabien schreibt für die Einreise eine konjugierte quadrivalente Impfung vor, die mindestens zehn Tage, höchstens 5 Jahre alt sein darf.

Bei Reisen in Länder abseits des Meningitisgürtels und der Hadj ist eine Meningitisimpfung in der Regel nur dann empfohlen, wenn in diesen Ländern Ausbrüche vorliegen oder besondere Risikofaktoren bestehen.

Typhus wird durch das Bakterium Salmonella Typhi hervorgerufen und wird oral mit Nahrungsmitteln oder Wasser in hygienisch schlecht versorgten Ländern durch kontaminierte Lebensmittelketten aufgenommen.

Jährlich kommen weltweit zwischen 10 und 20 Millionen Fälle von Typhus abdominalis vor. Das Risiko für Reisende, an Typhus zu erkranken, variiert sehr stark. Weniger als 10 Fälle werden alljährlich nach Österreich importiert.

Das Risiko für Reisende, an Typhus zu erkranken, variiert stark. Hauptrisikogebiete sind der indische Subkontinent und die angrenzenden Länder und Teile Südostasiens.

Eine Impfung ist für den südasiatischen und teilweise für den südostasiatischen Raum sinnvoll. Die Impfindikation für andere Gebiete hängt von der Art der Reise/Reisestil (Rucksacktourismus) und der jeweiligen epidemiologischen Situation ab (auf lokale Ausbrüche muss geachtet werden)

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